Stress ist zunächst eine natürliche Reaktion des Körpers auf Anforderungen. In überschaubaren Phasen kann er sogar leistungsfördernd wirken – Fachleute sprechen von sogenanntem Eustress, der kurzfristig motiviert und die Konzentration schärft.
Problematisch wird es, wenn die Belastung dauerhaft anhält und Erholungsphasen ausbleiben. Aus positivem Antrieb wird dann negativer Dauerstress – sogenannter Distress. In diesem Zustand ist der Körper permanent in Alarmbereitschaft, Regeneration findet kaum statt, und das Risiko für körperliche wie psychische Erkrankungen steigt.
Am Arbeitsplatz zeigt sich chronischer Stress häufig durch ein Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und verfügbaren Ressourcen. Dabei hat die Belastung selten eine einzige Ursache – in der Regel wirken mehrere Faktoren zusammen.
Die Pronova-BKK-Studie 2024 zeigt: Die häufigsten Stressfaktoren unter Beschäftigten in Deutschland sind Überstunden (34 %), gefolgt von ständigem Termindruck (32 %) und einer ungleichen Verteilung der Arbeitslast (35 %). Weitere typische Belastungen sind:
- hoher Zeit- und Leistungsdruck bei knappen Deadlines
- ständige Erreichbarkeit und fehlende Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben
- unklare Rollen, wechselnde Prioritäten oder diffuse Erwartungen
- mangelnde Wertschätzung
- ungelöste Konflikte im Team
- Informationsüberflutung durch eine Vielzahl an Kommunikationskanälen und Tools
- Unsicherheit durch wirtschaftliche Veränderungen oder Sorge um den Arbeitsplatz
Entscheidend ist also nicht nur, wie viel Arbeit anfällt – sondern auch, welche Rahmenbedingungen das Unternehmen schafft, um Beschäftigte in ihrer Belastbarkeit zu stärken. Stressmanagement bzw. -Vermeidung sollte daher aktiv in die Gestaltung von Arbeitsprozessen, Führungsprinzipien und Rahmenbedingungen integriert werden.